Die Auswahl des passenden Achtsamkeits- oder Mitgefühlstrainings ist ein wichtiger Schritt für die eigene Praxis. Sowohl MBCL als auch MSC bieten fundierte Wege, um Selbstkritik und innerer Härte mit mehr Wohlwollen zu begegnen.
Dieser kompakte Vergleich unterstützt Sie dabei herauszufinden, welches Programm am besten zu Ihren Vorkenntnissen und aktuellen Bedürfnissen passt.
Eine ausführliche Gegenüberstellung mit weiteren Hintergründen, Beispielen und häufigen Fragen finden Sie im vollständigen Artikel:
→ MBCL und MSC im Vergleich: Welches Mitgefühlstraining passt zu Ihnen?
Was sind MBCL und MSC?
Erik van den Brink und Frits Koster entwickelten MBCL 2007 in den Niederlanden als vertiefendes Mitgefühlstraining. Dabei brachten sie ihre langjährigen Erfahrungen mit MBSR, MBCT und der Arbeit in der psychiatrischen Versorgung ein.
MBCL setzt voraus, dass die Teilnehmenden bereits Erfahrungen mit Achtsamkeit gesammelt haben, beispielsweise in einem MBSR-, MBCT- oder einem vergleichbaren achtsamkeitsbasierten Kurs.
Kristin Neff und Christopher Germer entwickelten MSC als eigenständiges Selbstmitgefühlstraining. Das Programm führt auch in grundlegende Achtsamkeitsübungen ein. Teilnehmende brauchen daher keine vorherige Erfahrung mit Meditation oder Achtsamkeit.
Beide Programme umfassen acht Sitzungen und eine zusätzliche längere Übungszeit.
Was haben MBCL und MSC gemeinsam?
MBCL und MSC verbinden Erkenntnisse aus moderner Psychologie, Neurowissenschaft und klinischer Praxis mit kontemplativen Übungen zu Freundlichkeit und Mitgefühl.
Beide Programme unterstützen die Teilnehmenden dabei,
- Stress und emotionalem Schmerz auf eine hilfreichere Weise zu begegnen,
- Selbstkritik und innere Härte bewusster wahrzunehmen,
- ´schwierige´ Gefühle nicht vorschnell abzuwehren oder zu bewerten,
- eine freundlichere und fürsorglichere Beziehung zu sich selbst zu entwickeln.
Dabei betrachten beide Ansätze schmerzhafte Gefühle und innere Konflikte nicht als Zeichen dafür, dass mit einem Menschen etwas nicht stimmt. Sie verstehen sie als Teil unserer geteilten menschlichen Erfahrung.
Auch die vier grenzenlosen Qualitäten des Herzens spielen in beiden Programmen eine Rolle:
- Freundlichkeit
- Mitgefühl
- Mitfreude
- Gleichmut
Die wichtigsten Unterschiede im Vergleich
Die wichtigsten Unterschiede betreffen die erforderliche Achtsamkeitserfahrung, den inhaltlichen Schwerpunkt und die Ausbildung der Lehrenden.
MBCL und MSC im kurzen Vergleich
Unterschiedliche Voraussetzungen
MBCL setzt grundlegende Achtsamkeitskompetenzen voraus.
Die Teilnehmenden kennen bereits Möglichkeiten, innezuhalten, Körperempfindungen wahrzunehmen und Gedanken und Gefühle achtsam zu erforschen. MBCL greift diese Fähigkeiten auf, vertieft sie und ergänzt sie um die ausdrückliche Praxis von Selbstmitgefühl und Mitgefühl.
MSC vermittelt die Grundlagen der Achtsamkeit im Verlauf des Kurses. Deshalb können auch Menschen teilnehmen, die bisher keinen MBSR-, MBCT- oder vergleichbaren Kurs besucht haben.
Unterschiedliche Schwerpunkte
MSC konzentriert sich vor allem auf die Frage: Wie können wir uns selbst in schwierigen Momenten mit mehr Freundlichkeit und Verständnis begegnen?
Das Programm enthält auch Übungen zu Freundlichkeit und Mitgefühl für andere. Diese stehen jedoch stärker im Zusammenhang mit der Entwicklung von Selbstmitgefühl.
MBCL betrachtet Selbstmitgefühl und Mitgefühl für andere als eng miteinander verbunden und widmet beiden Bereichen viel Raum.
Darüber hinaus lädt MBCL dazu ein, den Kreis des Mitgefühls behutsam zu erweitern: auf andere Menschen, andere Lebewesen, die Natur und den Planeten, auf dem wir leben. Die Teilnehmenden bestimmen dabei selbst ihr Tempo und achten auf ihre persönlichen Grenzen.
Für wen eignet sich MBCL?
MBCL kann gut zu Ihnen passen, wenn Sie Erfahrungen mit Achtsamkeit gesammelt haben und Ihre Praxis vertiefen möchten.
Vielleicht hilft Ihnen Achtsamkeit bereits dabei, innezuhalten und Ihre Erfahrungen klarer wahrzunehmen. Gleichzeitig merken Sie, dass Ihre innere Stimme in schwierigen Momenten manchmal hart oder verletzend klingt.
Wenn das so ist, kann MBCL Sie dabei unterstützen,
- Selbstkritik und innerer Härte mit mehr Freundlichkeit zu begegnen,
- Selbstfürsorge und Fürsorge für andere besser auszubalancieren,
- Mitgefühl stärker in Ihren Alltag und Ihre Beziehungen einzubeziehen.
Für wen eignet sich MSC?
MSC kann einen guten Einstieg bieten, wenn Sie bisher wenig oder keine Erfahrung mit Achtsamkeit und Meditation haben.
Das Programm eignet sich besonders für Menschen, die sich selbst häufig kritisch oder streng begegnen und lernen möchten, in schwierigen Momenten freundlicher mit sich umzugehen.
MSC kann zu Ihnen passen, wenn Sie
- einen strukturierten Einstieg in Selbstmitgefühl suchen,
- grundlegende Achtsamkeitsübungen kennenlernen möchten,
- Ihre Beziehung zu Selbstkritik, Scham oder innerem Druck erforschen möchten.
Fazit: So finden Sie das passende Mitgefühlstraining
Keines der beiden Programme ist grundsätzlich besser. Entscheidend sind Ihre bisherigen Erfahrungen, Ihre Interessen und das, was Sie im Moment vertiefen möchten.
MSC kann einen guten Einstieg bieten, wenn Sie noch wenig Achtsamkeitserfahrung haben und vor allem Selbstmitgefühl entwickeln möchten. MBCL kann zu Ihnen passen, wenn Sie bereits einen grundlegenden Achtsamkeitskurs besucht haben und den Kreis des Mitgefühls auf sich selbst und andere erweitern möchten.
Auch die Lehrperson und das Lernumfeld spielen eine wichtige Rolle. Haltung, Unterrichtsstil und verkörperte Praxis prägen die Atmosphäre eines Kurses wesentlich mit.
Sie wissen bereits, welcher Weg der richtige für Sie ist? Finden Sie hier zertifizierte MBCL-Lehrende und starten Sie Ihre Praxis in einer geschützten Lernumgebung.
Dieser Kurzbeitrag fasst einen ausführlich überarbeiteten Vergleich zusammen, der auf einem Text von Erik van den Brink und Frits Koster aus dem Jahr 2017 basiert. Jana Willms hat den ursprünglichen Text weiterentwickelt und aktualisiert.
Über die Autorin
Jana Willms
Jana Willms ist Diplom-Psychologin, Senior-Lehrerin für MBSR und MBCL, MBCL-Ausbilderin und achtsamkeitsbasierte Supervisorin. Seit 2008 unterrichtet sie Achtsamkeit und Mitgefühl. In Weiterbildungen und Supervisionen unterstützt sie Lehrende achtsamkeits- und mitgefühlsbasierter Verfahren.
